Deftig, würzig, pikant - Variationen vom Harzer Käse

Rezepte für Harzer-Käse-Fans


Seit ich meine eigenen Seminarräume (zu denen auch eine kleine Küche gehört) betreibe, nutze ich diese ab und zu auch, um zum Beispiel im Rahmen der Volkshochschule Goslar meine Leidenschaft für Slow Food, Harzer Küche und Rezepte mit Gleichgesinnten zu teilen. Und gestern war es wieder soweit.

Unser Thema war dieses Mal der Harzer Käse, der leider gar nicht mehr aus dem Harz kommt* - sich aber hierzulande dennoch großer Beliebtheit erfreut. Drei Stunden lang haben wir uns zunächst mit der Geschichte, den Eigenschaften und der Herstellung der pikanten Taler beschäftigt. Anschließend ging's in geselliger Runde an die Verkostung diverser Spezialitäten, in denen der Harzer die tragende Rolle spielte. Ich hatte vier verschiedene Gerichte vorbereitet, zusätzlich den Klassiker "Harzer Käse, Schmalz und Senf auf Vollkornbrot" sowie die Überraschung des Abends, Harzer-Käse-Chips.

* siehe Die traurige Geschichte vom Harzer Käse

Und hier nun meine Rezepte des Abends. Ich beginne mit den Harzer-Käse-Chips, weil die Dinger wirklich ein Knüller waren:

Chips aus Harzer Käse

Nicht nur für meine Gäste waren diese Chips eine Überraschung, sondern auch für mich bei der Zubereitung am Vortag. Ich ahnte nämlich nicht, welches Schauspiel mich im Backofen erwarten würde. Ich hatte einfach 200 g Harzer Käse in dünne Scheiben geschnitten und auf einem mit Backpapier ausgelegten Backblech drapiert, das Blech auf die zweite Stufe von unten in den kalten Ofen geschoben, 200°C eingestellt - und irgendwann völlig entgeistert in den Ofen geschaut:


Als ich mich vom ersten Schrecken erholt hatte, dankte ich dem Schicksal, dass ich nur 200 g Käse auf's Blech gelegt hatte - es wäre durchaus Platz für mehr gewesen. Nicht auszudenken, wie dann der Backofen hinterher ausgesehen hätte.

Ich wartete dann geduldig, bis der Ofen die Temperatur von 200°C erreicht hatte, schaltete herunter auf 175°C, hockte mich davor und beobachtete mit Argusaugen den weiteren Vorgang. Höchstens fünf Minuten später holte ich das Blech heraus (der Käse sollte auf keinen Fall zu dunkel werden, denn sonst schmeckt er bitter). Die Blasen waren deutlich geschrumpft, es gab aber immer noch jede Menge Luft dazwischen.



Ich zog das Backpapier auf ein Gitter zum Abkühlen. Nachdem die Herrlichkeit vollkommen erkaltet war, brach ich sie in mundgerechte Stücke. An einigen Stellen hatte ich das Gefühl, dass noch ein ganz klein wenig Feuchtigkeit geblieben war (die Stücke brachen zwar, das Knistern war aber nicht ganz so ausgeprägt). Aus Angst, die Dinger könnten zäh werden, habe ich sie in ein Sieb gegeben, mit einem Tuch abgedeckt und über Nacht auf die Heizung gestellt. So jedenfalls waren sie herrlich knusprig geworden - auch noch nach einem ganztägigen Aufenthalt in einer luftdicht verschlossenen Dose.

Die Chips schmeckten übrigens hervorragend und erstaunlich salzig - und sind wahrscheinlich die kalorienärmsten Chips der Welt.

Wer nun Lust bekommen hat, sie nachzumachen, dem oder der will ich nicht verschweigen: Während des Backvorgangs bekam ich eine Ahnung, warum manche Mensche behaupten, Harzer Käse würde stinken. Ich spreche ja eher von pikantem Duft - aber in diesem Fall erinnerte mich meine Küche vom Geruch her doch eindeutig an Kuhstall. Glücklicherweise verschwand dieser "Duft" recht schnell wieder - ich würde die Chips aber nicht zubereiten, bevor ich Gäste erwarte.

Und nun zu den weiteren Rezepten (eines davon war Kochkäse, den ich hier als "Harzer Bärlauch-Kochkäse" schon einmal genau beschrieben hatte, statt Bärlauch habe ich Petersilie verwendet).

Kochkäse


Harzer-Käse-Salat

(habe gerade den Rest von gestern zum Mittagessen verspeist - lecker!)
  • 2-3 kleine Zwiebeln schälen und in feine Ringe schneiden. 
  • 2 Rollen Harzer Käse (à 200 g) in Scheiben schneiden, diese evtl. halbieren. 
  • 1/2 Bund Petersilie waschen, trockenschütteln und fein hacken. 

Für das Dressing
  • 2 EL mittelscharfen Senf, 1 geh. TL Honig, 2-3 EL Kräuter- oder Weißweinessig, 2 EL Öl (z.B. Rapsöl), 1 TL Kümmel, schwarzen Pfeffer (frisch gemahlen), 1 gestr. TL Paprikapulver (edelsüß) sowie Salz nach Geschmack miteinander verrühren (evtl. noch etwas Wasser oder Gemüsebrühe zufügen). Käse, Zwiebeln und Petersilie zufügen und alles gründlich vermischen. Einige Stunden ziehen lassen, abschmecken.
  • 1 Bund Radieschen waschen, in Scheiben schneiden.
  • ½ Kopf Eisbergsalat waschen und in mundgerechte Stücke zupfen. Kurz vor dem Servieren zusammen mit den Radieschen unter den Salat ziehen.
  • Wer gerade Gewürzgurken zur Hand hat, kann diese ebenfalls - in Scheiben geschnitten - dazugeben.
Ein weiteres Salatrezept mit Harzkäse hatte ich für die Harzer SlowFood-Seite entwickelt: Harzer Kartoffelsalat mit Bierdressing

Angemachter Harzer Käse

(das war der Favorit des Abends)
  • 2 Eier hartkochen, pellen und fein hacken.
  • 250 g Harzer Käse mit einer Gabel fein zerdrücken und mit 60 g Butter sowie dem feingehackten Ei vermischen.
  • 1 Zwiebel schälen und in feine Würfel schneiden. 
  • 2-3 Gewürzgurken feinhacken. Zusammen mit Zwiebel sowie 1-2 TL mittelscharfen Senf, 2 TL Paprikapulver (edelsüß und scharf - nach Geschmack - gemischt), etwas Kümmel, feingehackter Petersilie oder Schnittlauch unter die Harzkäse-Mischung rühren und evtl. mit etwas Salz abschmecken.

Deftige Harzer-Käse-Kartoffel-Suppe

(habe leider vergessen, davon ein Foto zu machen - wird sicher nachgereicht, da ich diese Suppe definitiv nochmals kochen werde)
  • 500 g Kartoffeln schälen und in mundgerechte Stücke schneiden.
  • 1 Zwiebel und 1 Knoblauchzehe in feine Würfel schneiden.
  • 100 g Schinkenspeck würfeln.
  • 1 Stange Lauch waschen, putzen und in Ringe schneiden.
  • 4-5 Esslöffel Rapsöl in einen Topf geben und den Speck darin leicht anbraten. Zwiebeln, Knoblauch, Kartoffeln und Lauch hinzugeben und alles ca. 2 Minuten anschwitzen.
  • 1,5 l Gemüsebrühe angießen und mit 1 Tl Kümmel würzen. Alles für ca. 20 Minuten köcheln lassen (bis die Kartoffeln gar sind). 
  • 200 g Harzer Käse in kleine Würfel schneiden und in die Suppe geben. Suppe mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Kommentare

  1. Mein Herr Schatz und ich mögen Harzer Käse gern. Außer Kaspressknödel und eine Topinambur-Frittata mit Harzer habe ich aber nicht viel damit ausprobiert. Danke für die Anregungen!

    AntwortenLöschen
  2. Danke für dein Rezept, hatten ähnliches mal in unserem Wanderhotel im Urlaub.Bin seitdem auf der Suche! Werde ich direkt mal probieren.LG Karmen

    AntwortenLöschen

Kommentar veröffentlichen

Hinweis für Leser/innen, die hier kommentieren möchten, ohne sich vorher irgendwo anmelden zu müssen: Bitte die Option "Anonym" verwenden und dann den Kommentar trotzdem gern mit (Vor-)Namen "unterschreiben". Besten Dank.