Ananas mit Fichtensirup, Lärchennadeln und Blütenkonfetti

Harz trifft Costa Rica


Ostersonntag stromerte ich mal wieder stundenlang durch Wald und über Wiesen.



Ich kann mich ja derzeit nicht sattsehen an dem saftigen Grün der Wiesen, den erwachenden und teilweise üppigst blühenden Bäumen und den überall sprießenden Wildkräutern. Und was für ein Spaß dann in der heimischen Küche, die gesammelten Schätze zu begutachten und in kulinarische Genüsse zu verwandeln. Das Tütchen, das ich gestern nach Hause trug, enthielt unter anderem Waldmeister. Ein Wunderkraut. Frisch gepflückt schmeckt und riecht es nach absolut gar nichts. Je länger es aber vor sich hin welken darf, desto intensiver und unwiderstehlicher wird der Duft. (Wie der daraus bereitete Sirup schmeckt, weiß ich noch nicht, da er noch über Nacht ziehen muss. Der Duft ist aber schonmal umwerfend.)

Und dann das frische Grün der Nadelbäume. Die Fichten haben unzählbar viele neue zartsattgrüne Triebe gebildet und die Lärchen ziehen sich komplett neu an (das alte Kleid haben sie ja im Winter verloren). Eines meiner neuen Lieblingsbücher ("Köstliches von Waldbäumen") erzählt mir, dass sich nicht nur aus den allseits bekannten Tannenspitzen köstliche Leckereien herstellen lassen, sondern auch aus den frischen Spitzen von Fichten und Lärchen. Und das musste ich unbedingt ausprobieren. (Tannen habe ich hier noch nicht gefunden.)

Vorsichtig zupfte ich hier und da ein paar Fichtenspitzen von den Bäumchen. Ich suchte mir absichtlich Exemplare heraus, die sowieso schon ziemlich kruckelig aussehen und von stattlichen Nachbarbäumen in enge Grenzen verwiesen werden. Ich habe sicher keinem Baum den Wettbewerb "Wer wird der schönste Weihnachtsbaum?" vermasselt. Bei den Lärchen ist die Sache etwas anders: Diese Bäume bestehen zur Zeit ja aus nichts anderem als aus frischen weichen Spitzen. Und weil ich die bestehenden stattlichen Bäume nicht rupfen wollte, habe ich mir kleine Zweiglein von ganz ganz jungen Mini-Lärchen geschnitten - also von jenen, die derzeit dicht an dicht aus dem Waldboden sprießen und in Zukunft garantiert nicht alle ausreichend Platz finden. Ich hoffe, der Förster teilt meine laienhaften Überlegungen...

Als ich zum ersten Mal eine Fichten- bzw. Lärchenspitze probierte, war ich sehr überrascht: Sie schmecken zuallererst angenehm säuerlich. Später kommt dann eine Ahnung des bekannten Nadelbaumaromas hinzu - aber sehr dezent und keinesfalls harzig oder terpentinartig. Jetzt verstand ich auch, dass der Autor des o.a. Buchs die feinen Nadeln sogar als frische Zutat für einen Kartoffelsalat verwendete. Das machte mich mutig. Und ich probierte herum - und stellte fest, dass das feine Aroma zu sehr vielen Speisen passt. Meine Lieblingskombination, die ich hier jetzt gleich vorstelle (Ananas aus Costa Rica mit Baumspitzen aus dem Harz), wird dicht gefolgt von einer Buchweizen-Käsecremesuppe mit Wildkräutern und gehackten Lärchenspitzen. Köstlich. 

Ananas mit Fichtensirup, Lärchennadeln und Blütenkonfetti

Zutaten


Fichtenspitzensirup (in Anlehnung an "Köstliches von Waldbäumen", Dr. Markus Strauß)
  • 100 g junge Fichtenspitzen
  • 750 ml Wasser
  • 375 g Rohrohrzucker
  • 1 1/2 El. Zitronensaft
Ananas (für 4 Portionen)
  • 1 kleine Ananas
  • essbare Blüten (z.B. Veilchen, Primeln, Schlüsselblumen, Vergissmeinnicht, Gänseblümchen)
  • 4 kleine Zweige sehr junge Lärchenspitzen
  • ca. 8 El. Fichtennadel-Sirup
Zubereitung

Fichtenspitzensirup
  1. Fichtenspitzen mit Wasser im geschlossenen Topf aufkochen und 1-2 min kochen, bis die Fichtenspitzen ihre sattgrüne Farbe verloren haben. Abkühlen lassen und über Nacht zugedeckt ziehen lassen.
  2. Fichtenmischung durch ein feines Tuch abseihen, Tuch gut ausdrücken. 
  3. Fichtenwasser mit Rohrohrzucker und Zitronensaft aufkochen. Mischung im offenen Topf solange kochen, bis die Flüssigkeit auf etwa zwei Drittel reduziert ist.
  4. Heiß in sterilisierte Flaschen füllen.
Ananas
  1. Ananas schälen, "Augen" entfernen, vierteln und Strunk herausschneiden.
  2. Pro Person je ein Viertel in dünne Scheiben schneiden und auf einem Teller anrichten.
  3. Fichtennadel-Sirup gleichmäßig auf der Ananas verteilen.
  4. Essbare Blüten (evtl. von den grünen Blütenkelchen befreit und je nach Größe kleiner gezupft) in bunter Mischung über die Ananas streuen. 
  5. Lärchenspitzen von den Zweigen zupfen und über der Ananas verteilen.
Guten Appetit!


Kommentare

  1. Hallo Antje!

    Welch eine Augenweide - das sieht so herrlich aus! Der wunderbare Kontrast der blauen Blüten - dazu noch die Beschreibung Costa Rica trifft Harz - also passender geht's wirklich nicht. Das Rezept schreit geradezu danach probiert zu werden!

    Schöne Woche und liebe Grüße!

    Kathrin

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    1. Hallo Kathrin,
      lieben Dank für dein dickes Kompliment. Je länger ich jetzt wieder im Harz lebe, desto mehr entwickele ich mich nach und nach zur "Kräuterhexe". Ich bin immer wieder aufs Neue tief beeindruckt, welch köstliche Aromen da draußen in der Natur zu entdecken sind.
      Auch dir eine schöne Woche und viele Grüße
      Antje

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  2. Oh, Fichtensirup! Auf den bin ich ganz wild, seit ich im Alpen-Kochbuch darauf gestoßen bin und habe Ostern im Rhein-Main-Gebiet eifrig nach der Hauptzutat Ausschau gehalten. Was in einem Laubwald und einem Klostergarten sich als sehr schwierig herausstellte ;-). Gab's also keinen Fichtensirup - daher erfreue ich mich ersatzweise an Deinem schönen Sirup-Ananas-Blüten-Post. Lieben Gruß!

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  3. Liebe Claudia,
    solltest du in diesem Jahr keine Gelegenheit mehr haben, Fichtenspitzen zu finden, dann solltest du dir das fürs nächste Jahr ganz fest vornehmen. Es lohnt sich. Eine kleine Menge Fichtenlikör habe ich auch angesetzt - aber der ist frühestens in acht Wochen probierreif. Ich bin gespannt.
    Herzlichen Gruß
    Antje

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  4. Wenn ich solche Posts lese, dann seufzt ein kleiner Teil in mir und denkt: "Doch mal raus aus der Stadt?" Auch wenn ich eigentlich überzeugte Mittendrin-Wohnerin bin - die Fotos und Beschreibungen machen Lust. Vielleicht gibt's am Wochenende mal einen Ausflug ins Grüne. (Und Nasse.)

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    1. 35 Jahre lang war ich Mittendrin-Wohnerin und habe nichts vermisst. Dachte ich jedenfalls. Irgendwann hielt mich Hamburg aber nicht mehr. Und nun, nach einem Jahr und vier Monaten in einem Harzdorf merke ich, was mir gefehlt hat: Wald, Feld, Wiesen und Garten und alles, was da wächst.

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