Gebratener Topinambur mit Trüffel-Pecorino



Unter den zahlreichen leckeren Gemüsesorten, die ich für diese Woche eingekauft hatte, befand sich auch ein halbes Kilo Topinambur. Wenn ich mich richtig erinnere, hatte ich diese knolligen Gesellen erst einmal zuvor gegessen - ich weiß aber nicht mehr, wie ich sie zubereitet hatte. Wohl aber wusste ich noch irgendwie, dass ich sie lecker fand. Damals empfand ich die Schälerei der Dinger aber als ziemlich aufwändig - heute ist mir klar, dass ich da wohl ziemlich kleine und verwachsene Exemplare erwischt haben muss. Die Knollen, die heute auf meinem Teller landeten, waren von akzeptabler Größe und ließen sich leicht schälen. Nur vereinzelt waren da so kleine Knubbel dran - niedlich, aber dem Sparschäler im Weg. Das tat dem Vergnügen des Zubereitens aber keinen Abbruch.

Eine Inspiration für eine eigene Topinambur-Kreation habe ich erst heute (ca. eine halbe Stunde vor dem geplanten Kochbeginn) wie so oft im Internet gesucht - und schnell gefunden: "topinambur mit knoblauch und lorbeerblättern gebraten" von Jamie Oliver. Nun muss ich gestehen: Meine Küche muss derzeit ohne Lorbeerblätter auskommen. Peinlich. Das liegt daran, dass ich hier in meinem neuen Häuschen noch immer recht provisorisch koche - die Küche enthält einen niegelnagelneuen E-Herd, einen älteren Holzofen (noch nie benutzt, aber der das kommt schon noch), eine olle Spüle, einen antiquarischen Arbeitstisch (von der Sorte, aus denen man an der Längsseite zwei Spülschüsseln ausziehen kann), einen ollen Kühlschrank (der wegen vorsätzlicher Stromfresserei vom Netz genommen wurde und nun der Aufbewahrung von allerlei Küchenkram dient) und ein niegelnagelneues Regal, in dem die wichtigsten Koch-Utensilien und meine umfangreiche Gewürzsammlung untergebracht sind. Ja, ich weiß - Profi-Köche und -Köchinnen raufen sich jetzt die Haare: Gewürze müssen dunkel aufbewahrt werden! Ist mir klar. Mache ich. Sobald ich meine neue Küche habe! Ach so, falls jemand einen "echten" Kühlschrank vermisst: Der ist schon da (A++), steht aber noch im Nebenraum.

So, und die Lorbeerblätter muss ich letztens beim Umzug meiner wichtigsten Gewürze von Hamburg nach Wolfshagen übersehen haben. Bringe ich dann beim nächsten Mal mit.

Dafür habe ich aber neulich eine Dose mit einer unbeschreibbar köstlichen korsischen Gewürzmischung gekauft: "Duft der Macchia" duftet bereits beim Abheben des ersten Deckels - das Aroma unter dem zweiten Deckel der Blechdose (kommt kein Licht dran!) ist umwerfend (Vorsicht, Niesreiz!). Zum Gebrauch von Fertigmischungen habe ich inzwischen ein entspanntes Verhältnis: Früher empfand ich das immer als irgendwie unter meiner Köchinnen-Würde. Hatschiii! Heute kaufe ich gern besonders interessante Mischungen und wenn sie mir gefallen und verbraucht sind, mische ich sie mir dann selbst - und zwar nicht als gemahlenes Pulver sondern für die Gewürzmühle. Manchmal ist es allerdings nicht ganz einfach, die Zutaten dafür zu bekommen - so wie in diesem Fall zum Beispiel Oliven- und Myrtenblätter. Aber da ich die Dose erst heute geöffnet habe, bleibt ja noch Zeit zum Suchen.

Und heute war die Gelegenheit, den Duft der Macchia zum ersten Mal auszuprobieren! Für die weiteren Zutaten habe ich mich ebenfalls von Jamie Oliver inspirieren lassen - er war nämlich so freundlich mitzuteilen, von wem sich die Knolle gern begleiten lässt. Von Käse zum Beispiel.

Ach, da fällt mir noch was ein zum Thema Duft: Nach dem Kochen roch die Küche herrlich nach Pilzen (aufmerksame Beobachter/innen werden bemerken, dass ich aber nicht einen einzigen Pilz verwendet habe). Auch das hat bereits der Herr Oliver beschrieben: Die Topinambur "hat einen süßlichen Geschmack, der ein wenig an Knoblauch und Pilze erinnert". Das "ein wenig" ist eindeutig untertrieben - selbst meine Hände rochen lecker nach Pilzen.

Gebratener Tobinambur mit Trüffel-Pecorino

Zutaten (zum Sattwerden für 1 Person, als Vorspeise für 2, alles bio)

  • 500 g Topinambur
  • 1 kleinere Zwiebel
  • 1 Knoblauchzehe
  • 3 El Olivenöl
  • 1 1/2 Tl. Gewürzmischung "Duft der Macchia" (enthält bereits Salz)
  • 1 Schuss Apfelwein
  • 2 Scheiben Pecorino mit Trüffeln (unbedingt rechtzeitig dafür sorgen, dass der Käse Zimmertemperatur hat)
  • 1 El. Kresseblättchen
  • Brot zum Servieren (z.B. ein saftiges Schwarzbrot)

Zubereitung

  1. Topinambur waschen bzw. abbürsten, schälen und mundgerecht in ca. 1 cm dicke Scheiben schneiden.
  2. Zwiebel pellen, vierteln und in Viertelringe schneiden. Knoblauch schälen, in dünne Scheibchen schneiden.
  3. Öl in einer Schmorpfanne (Pfanne mit Deckel) erhitzen, Topinambur hineingeben und anbraten. Zwiebeln und Knoblauch hinzufügen, ein paar Minuten weiterbraten (bei nicht zu starker Hitze).
  4. Mit Apfelwein ablöschen und 1-2 Tl. Gewürzmischung überstreuen. Gut vermischen. Deckel auflegen und einige Minuten dünsten, bis die Topinambur bissfest sind.
  5. Deckel abnehmen und weitere Minuten bei etwas stärkerer Hitze braten, so dass das Gemüse leicht gebräunt ist.
  6. Mit Pecorino-Scheiben und Schwarzbrot auf Teller(n) anrichten, mit Kresse bestreuen.
Guten Appetit!



Nachträglich nehme ich mit diesem Rezept an einem Gespräch über Trüffeln teil:

Kommentare

  1. Das klingt sehr interessant! Mit Topinambur habe ich noch keine Erfahrung, kann mir das aber mit dem getrüffelten Käse sehr gut vorstellen. Wie überhaupt so ziemlich alles mit Trüffeln ;-).

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    1. Dafür halten sich meine Erfahrungen mit Trüffeln in Grenzen - jedenfalls in der eigenen Küche. Hatte einmal mit viel Vorfreude eine lecker Pastasauce mit Trüffel machen wollen - die Sauce schmeckte auch lecker, nur nicht nach Trüffel (kann an der Qualität der Ware nicht gelegen haben). Später sagte mir mal jemand, Trüffel vertragen keine Sahne als Begleitung. Könnte sein, dass das der Punkt war?

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    2. Sahne und Trüffeln kommen eigentlich recht gut miteinander zurecht, Trüffeln brauchen sogar etwas Fett, um ihr Aroma zu entfalten. Wenn es nicht richtig trüffelig schmeckt, kann das an sehr vielem liegen, zum Beispiel an der Sorte (Sommertrüffeln etwa sind nicht sehr intensiv) oder an der Verarbeitung (roh gehobelt schmecken sie am besten, aber man braucht auch dann eine gewisse Menge, um ein gutes Aroma zu bekommen). Gegart verlieren Trüffeln etwas - Trüffel-Konserven wird aus diesem Grund häufig Aroma oder aromatisiertes Trüffelöl zugefügt. Man kriegt dadurch schnell ein falsches Bild, denn in solchen Produkten sind oft nur kleine Trüffel-Pünktchen zu sehen, der Geschmack ist aber sehr intensiv. Das schafft keine natürliche Trüffel.
      Lieben Gruß
      Claudia

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    3. Liebe Claudia, danke für die ausführliche Antwort. Demnach müsste ich eigentlich alles richtig gemacht haben - ich meine mich zu erinnern, dass es auch ein Wintertrüffel war. Hast du eine Bezugsquelle, die du empfehlen magst? Ich würde es schon nochmal gern versuchen...

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    4. Liebe Antje, bisher vertraue ich hier in Berlin auf die Galeries Lafayette. Aber da ich eher Trüffel-Liebhaberin als -Expertin bin (jedenfalls in Sachen Eigen-Verarbeitung), hätte ich weitere Tipp auch sehr gern. Da das Thema auf meinem Blog nun schon ein paarmal auftauchte, mache ich da demnächst mal einen Post mit einer Umfrage draus, wer mit welchen Produkten gute Erfahrungen gemacht hat. - Ich hatte jetzt mal ein bisschen Zeit, mir Deinen Blog etwas genauer anzuschauen, und finde ihn wirklich richtig toll! Eine sehr schöne Themen-Zusammenstellung, Food, grün, Politik, Kreatives. Gefällt mir sehr gut.

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    5. Was für ein tolles Kompliment - danke schööön! Hat ein bisschen gedauert, bis ich in meinem eigenen Blog den grünen Faden gefunden hab ;-) Nach einer etwas zähen Startphase und einer längeren Pause im 2. Halbjahr 2012 bin ich nun total motiviert, diesen Blog mit Leben zu füllen - und endlich auch das Untereinander-Vernetzen als Teil des Bloggens mitzubefördern. Schöne Erfahrung eigentlich: Ein bisschen bloggen geht nicht (oder macht zumindest nicht wirklich Spaß).
      Lieben Gruß,
      Antje

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    6. Ja, die Erfahrung habe ich auch gemacht - man muss sich ein bisschen reinhängen und vernetzen und kommunizieren. Der Zeitfaktor ist nicht ganz unerheblich, aber es macht schon viel Spaß. Jedenfalls meistens :-).
      Liebe Grüße
      Claudia

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