Mangold-Mandel-Lasagne


Ja ja, man hat ja nix gegen Vollkorn. Aber Vollkorn-Nudeln? Geht gar nicht. Behauptet man.
Und wenn man dann mal aus Versehen Vollkorn-Nudeln isst, hat man es gar nicht bemerkt. Aber das Essen - findet man - hat richtig lecker geschmeckt.

Ich rede ja nicht oft von "man" - weil ich finde, dass wir alle einander viiiel lieber zuhören, wenn wir persönlich werden und von DU, WIR, ICH oder XY reden. Mit MAN sind immer irgendwie alle oder auch niemand gemeint. Aber im vorliegenden Fall - also dem Vollkorn-Nudel-Fall - rede ich absichtlich von der Allgemeinheit. Weil mir noch niemand (außer dem einen natürlich) begegnet ist, der oder die mir gesagt hat: "Vollkorn-Nudeln? Mag ich gern!"

Warum das so ist, kann ich nur raten - wirklich verstehen kann ich es nicht. Die Begründung für den Abscheu, die ich regelmäßig zu hören bekomme, ist so schlicht wie unbefriedigend: "Die schmecken nicht." Aha. Was genau stört denn an dem Geschmack? "Keine Ahnung, die schmecken eben nicht." Die selben Leute aber schwärmen vom superleckeren Essen, wenn sie bei mir eine Lasagne gegessen und dabei nicht gemerkt haben, dass die Nudelblätter aus Vollkornteig waren.

Kann es sein, dass das Problem der Vollkorn-Nudel die Tatsache ist, dass sie überhaupt nach etwas schmeckt? Im Gegensatz zu Weißmehl-Nudeln (bzw. Weißmehl-Produkten allgemein), die nach NICHTS schmecken? Der Kommentar einer gewissen "anie's delight" scheint typisch für die Vollkorn-Nudel-Hasser und meine Vermutung zu bestätigen:
"Vollkornnudeln, so gesund sie sein mögen, kommen bei uns auch nicht auf den Tisch. Die gehen für mich gar nicht. Sie sehen schon einfach gesund aus und haben viel zuviel Eigengeschmack."
Verstehe, die Dame isst am liebsten Dinge, die nach gar nix schmecken und einzig und allein dafür da sind, aus einer Suppe eine Sauce zu machen - sprich, der Sauce eine halbwegs gabelbare Unterlage zu geben. Leere Kohlehydrate ohne Geschmack. Lecker? Meine Sache nicht.

Ok, ok, die Farbe ist auch noch so ein Thema - das Auge isst ja bekanntlich mit. Und wer weiße Nudeln gewohnt ist, dem oder der mögen hellbraune Teigwaren irgendwie in den Augen schmerzen. Das ist allerdings reine Gewohnheitssache. Ich mag überall am liebsten natürliche Farben - folgerichtig mögen meine Augen keine geweißten Lebensmittel.

Nun aber zurück zur Lasagne - die mit den Vollkorn-Nudeln. Die trotzdem - oder gerade deswegen? - schmeckt. In einer Lasagne ist die Farbe jedenfalls kein Ausschluss-Kriterium - auch ein unschuldiges Weiß  geht eine unzertrennliche Liaison mit der Sauce und dem Gemüse ein. Das Ergebnis ist alles Mögliche - nur kein  Reinweiß. Und der Geschmack? Lässt sich vielleicht am besten beantworten mit einer Gegenfrage: Warum mögen die meisten Menschen Vollkornbrot? Dieser nussige, volle Geschmack ist auch das Geheimnis der Vollkorn-Nudel.

Für Menschen, die Lust haben, ihren Geschmacks- und Genusshorizont zu erweitern - aber ohne das Risiko "lange Gesichter bei den Mitessenden" - kann ja mal dieses Rezept ausprobieren.

Zutaten (alles bio) für 1-2 Personen:

  • 1 kleine Staude Mangold
  • 1 Zwiebel, 1 Knoblauchzehe (beides gewürfelt)
  • 2 El. sehr fein gewürfeltes Suppengemüse
  • 2 El. Olivenöl
  • 1 Schuss Weißwein
  • Salz, schwarzer Pfeffer aus der Mühle
  • 1 El. Butter oder 2 El. Olivenöl, 2 El. Vollkorn-Mehl, 300 ml Milch oder Sojadrink
  • bunter Pfeffer aus der Mühle (ich verwende eine Mischung aus grünem und schwarzem Pfeffer sowie rosa Pfefferbeeren)
  • Muskatnuss, Salz, frisch abgeriebene Zitronenschale nach Geschmack (ca. von 1/4 Zitrone)
  • 1 El Mandelmus aus dem Glas
  • Vollkorn-Lasagneblätter (getrocknet oder frisch zubereitet)
  • Mandelblättchen

Zubereitung
  1. Mangold in einzelne Blätter zerteilen, waschen, trockentupfen und die groben Stiele keilförmig herausschneiden. Stiele in feine Streifen schneiden. Die Blätter halbieren, ebenfalls in (ca. 1 cm breite) Streifen schneiden.
  2. Zwiebel, Knoblauch, Suppengemüse und Mangoldstiele im Öl glasig dünsten, mit Weißwein ablöschen und bei geschlossenem Deckel ca. 5 Minuten schmoren. Mangoldblätter zufügen, weitere 5-10 min schmoren. (Wer es nicht gern so bissfest mag: Mangold testen und evtl. mit ein wenig Wasser länger schmoren.)
  3. Inzwischen aus Butter (Öl), Mehl und Milch eine Béchamelsauce bereiten, kräftig würzen und mit einem guten El. Mandelmus verrühren.
  4. Eine Auflaufform leicht fetten, den Boden mit einer dünnen Schicht Sauce bedecken (dieser Schritt entfällt bei frischem Nudelteig), darauf eine Lage Nudelblätter geben. Die Hälfte der Mangold-Mischung auf den Nudeln verteilen, mit 1/3 der Sauce bedecken. Nun wieder Nudelblätter, Mangold und Sauce darauf schichten. Den Abschluss bilden eine Lage Nudeln plus Sauce. Die Oberfläche mit Mandelblättchen bestreuen.
  5. Bei 170°C ca. 30 min im Backofen garen.

Kommentare

  1. Eine meiner Freundinnen ist Vegetarierin und vor jedem Kochabend überlegen wir, was wir kochen könnten. Heute haben wir dieses Rezept auserkoren und nachgekocht. Alle fanden es superlecker. Besonders die oberste Mandelschicht gibt dem Gericht das besondere Etwas.

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    1. Gerade wollte ich mein Netbook ausschalten und Feierabend machen - da sehe ich das nette Feedback. Danke schööön!

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